"Natürlich wollen alle Menschen Frieden. Das Problem ist nur, daß jeder seine eigene Vorstellung und Idee davon hat, was Frieden ist und wie er aussieht."
(Zitat eines Taxifahrer in Belfast)

Als im August 1969 in der nordirischen Provinzhauptstadt Belfast die Gewalt zwischen Protestanten und Katholiken explodierte, sah sich die britische Armee zu einer einschneidenden Maßnahme gezwungen, die das Stadtbild bis heute prägt und dem Nordirlandkonflikt auch optisch Gestalt verleiht. Innerhalb kürzester Zeit errichteten ihre Pioniere an den Hotspots der beteiligten Fraktionen Mauern, die in den folgenden Jahrzehnten an Länge und Höhe ausgebaut und verstärkt wurden. Wie eine semipermeable Membran sorgen darin eingebaute Tore, die in den Abendstunden geschlossen werden, für eine gewisse Durchlässigkeit zwischen den Stadtteilen. War die Funktion dieser Mauern in der heißen Phase des nordirischen Bürgerkriegs auf den Sicherheitsaspekt beschränkt, so dienen sie - trotz oder wegen - seit der durch den Friedensprozeß einsetzenden Beruhigung der Lage der bewußten Separierung der Gemeinschaften voneinander. Diese Wälle haben die Lebensdauer der Berliner Mauer bei weitem überschritten, denn sie trennen nichts, was zusammengehören will. Ihre landläufige Bezeichnung ist ein Euphemismus ohnegleichen: "Peacelines" - Friedenslinien.

Peacelines - das ist auch der Name der Domain, unter der ich das in zahlreichen Reisen in die Region gesammelte Bild- und Informationsmaterial einer breiten Öffentlichkeit zugänglich machen will. Hier findet der interessierte Leser eine Fülle von Reportagen und Fotos, die seit meiner ersten Reise im Jahr 2002 eine gewisse Entwicklung erkennen lassen. Besonders eindrucksvoll dürften die Murals genannten großflächigen Wandgemälde sein, die eine recht eigenartige politische Kunstform darstellen, aber den Betrachter immer wieder aufs Neue faszinieren. Anfangs noch recht martialisch im Inhalt, kommen zunehmend Motive ohne aggressive Botschaften zur Geltung.

Aber der Rahmen meiner Arbeiten geht über Nordirland hinaus. Wer sich mit der Problematik Nordirlands beschäftigt, den verschlägt es schnell in die irische Republik und von dort aus in die anderen Teile des Vereinigten Königreiches. Seit der historischen Entscheidung zum Austritt aus der EU im "Brexit"-Referendum vom Juni 2016 ist die politische Tektonik im Gefüge der Britischen Inseln gewaltig in Bewegung geraten. Schottland sieht eine Chance auf eine Wiederholung seines Unabhängigkeitsreferendum. Und in Irland wiederum wird ernsthaft die Möglichkeit diskutiert, erstmals seit der staatlichen Trennung der irischen Insel 1921 den Norden und den Süden wieder zu vereinen. Die Fortsetzung dieser Webseite ist somit gesichert.

Daniel Körtel
Juni 2017