© JUNGE FREIHEIT Verlag GmbH & Co.  www.jungefreiheit.de  31-32/08 25. Juli 2008

Ohne Rücksicht auf die Political Correctness
Irland: Der Kolumnist Kevin Myers provoziert nicht nur Antirassismus-Initiativen / Libertärer Geist ohne Tabus
Daniel Körtel

Konflikte sind dem irischen Journalisten Kevin Myers nicht fremd. Seine Laufbahn führte den 61jährigen als Berichterstatter durch die Krisengebiete Nordirland, Libanon und Bosnien. Auch als Kolumnist ist es ihm nie schwergefallen, selber Konflikte zu provozieren. In seinen sarkastischen und polarisierenden Stellungnahmen gegen Zuwanderung, Multikulturalismus oder Feminismus nimmt er keinerlei Rücksicht auf die Political Correctness, was ihm oft großen Ärger einbrachte.

Dabei läßt sich Myers nicht einfach in das gängige Rechts-Links-Schema pressen. Er befürwortete 2003 den Irak-Krieg und lobte George W. Bush - er hielt den US-Präsidenten aber auch schon für "verrückt". Einerseits betont national und identitätsbewußt, beanstandet er auf der anderen Seite das offizielle Gedenken an irische Rebellionen und fordert stattdessen die Anerkennung für jene irischen Soldaten, die in der britischen Armee in den beiden Weltkriegen kämpften. Myers steht der katholischen Kirche kritisch gegenüber und tritt für die Legalisierung der Prostitution ein - gleichzeitig nannte er die Kinder von jungen ledigen Sozialhilfeempfängerinnen "Bastards".

Aktuell entzündete sich eine heftige Rassismus-Kontroverse über einen am 10. Juli erschienenen Artikel im Irish Independent, für den Myers seit 2006 schreibt. Unter dem Titel "Afrika gibt niemandem etwas - außer Aids" stellte Myers in der meistverkauften Tageszeitung Irlands den Nutzen der westlichen Hunger- und Entwicklungshilfe für Afrika in Frage. Sein düsteres Afrika-Bild zeigt "einen Kontinent voller sexuell hyperaktiver Einheimischer, mit Millionen von Menschen, die nur überleben, weil sie auswärtige Hilfe erhalten." Schließlich fragte er, wieviel Moral darin bestehe, "heute ein äthiopisches Kind vor dem Hungertod zu bewahren, damit es überlebt für ein Leben mit brutaler Beschneidung, Armut, Hunger, Gewalt und sexuellem Mißbrauch". Seiner Ansicht nach begründen sich die Probleme Afrikas in einem katastrophalen Bevölkerungswachstum, das durch die Hilfsprogramme noch unterstützt wird. Der "selbstsüchtigen Freigebigkeit" des Westens warf Myers vor, ein Fluch für Afrika zu sein und Regime zu erhalten, die ohne sie kollabiert wären.

Nur wenige Tage nach der Veröffentlichung des Artikels nahm die irische Polizei eine Anzeige des Irischen Rats für Einwanderer (ICI) gegen Myers auf. Die sogenannte Nichtregierungsorganisation (NGO) beschuldigt ihn, mit seinem Artikel zum Haß anzustiften und damit gegen geltendes Recht zu verstoßen. Weiterhin erfolgte eine Eingabe an den irischen Presserat durch das Nationale Beratungskomitee Rassismus und Interkulturalismus (NCCRI), welches ankündigte, ebenfalls Anzeige zu erstatten.

Bislang hat sich Myers, der den Aufschrei voraussah, nicht offiziell zu der Anzeige geäußert. Seine Kolumne erschien auch weiterhin, wie gewohnt im sarkastischen Stil. Einen seiner letzten Beiträge, eine Klage über das mangelnde militärische Engagement des Westens in Afghanistan, verband er mit einem Seitenhieb gegen die deutschen Isaf-Soldaten, die nachts nicht auf Patrouille gingen, weil "dort ganz, ganz eklige Taliban um sie herum sein könnten. Und das, guter Gott, aus dem Land von Guderian, Rommel und von Stauffenberg."

 Die Kevin-Myers-Kolumnen im Internet: www.independent.ie/opinion/columnists/kevin-myers/